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Neurogeriatrie

Allgemeines zur Neurogeriatrie

Neurogeriatrie ist ein relativ neuer medizinischer Fachbereich, der neurologisches und geriatrisches Fachwissen zusammenführt und anwendet. Neurogeriatrie ist in der Regel für >70-jährige Personen gedacht, welche in ihrem Umfeld (noch) recht gut zurechtkommen, aber an alters-assoziierten neurologisch erklärbaren Einschränkungen leiden. Dies betrifft z.B. Gang, Gleichgewicht, Mobilität, Muskelschwäche, Denken, Sprechen, Sprache, Schlucken und Ausscheidung. Diese Probleme gefährden oder betreffen die Alltagsfähigkeit und die Lebensqualität der Betroffenen so stark, dass diese selbst oder aber ihr Umfeld eine gezielte Therapie sinnvoll finden.

Patienten, die wir behandeln, beschreiben zu Beginn der Behandlung ihre Einschränkungen oft mit Worten wie: "Ich bin ungeschickter geworden, bin nicht mehr so schnell; Die Beine machen nicht mehr genau das, was ich will; Mir tun die Beine und der Rücken weh; Ich bin in letzter Zeit hingefallen und kann mir nicht genau erklären warum; Ich habe Angst (wieder) hinzufallen; Mein Denken funktioniert nicht mehr so wie früher; Ich habe Gewicht verloren; Ich fühle mich zu schwach, um gewohnte Dinge zu machen; Meine Stimme wird nicht mehr gut verstanden; Ich verschlucke mich häufiger als früher". Angehörige schildern oft auch fehlende Motivierbarkeit.

Das Ziel unseres spezialisierten Teams ist die individuelle, fokussierte, alltagsrelevante und auf wissenschaftlichen Kriterien beruhende Therapie aufbauend auf einer umfassenden Eingangsuntersuchung. Die Eingangsuntersuchung und Behandlung orientieren sich an dem ICF-Modell der WHO (Internationale Klassifikation von Funktion, Behinderung und Gesundheit) von 2001 (Siehe Abbildung). Dabei arbeitet das Team nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und steuert selbst neue klinische und wissenschaftliche Konzepte zur Behandlung von neurogeriatrischen Patienten bei.

Neurogeriatrie - ICF-Modell
Abbildung: Die neurogeriatrische Diagnostik und Therapie orientiert sich am von der WHO vorgegebenen Rahmenkonzept für die Beschreibung von Funktion, Behinderung und Gesundheit (ICF-Modell). Dabei wird ein Gesundheitsproblem (oberste Zeile) anhand der 5 Domänen (Körperfunktionen und –strukturen, körperliche Aktivitäten, soziale Partizipation = Teilhabe, Umweltfaktoren und personenbezogene Faktoren) beschrieben. Zusätzlich wird berücksichtigt, wie diese fünf Domänen in der betroffenen Person miteinander interagieren. Zur besseren Veranschaulichung sind in der Graphik innerhalb der Domänen auch beispielhaft Problemfelder angegeben, wie sie bei einem Patienten mit Schlaganfall auftreten könnten. Mit diesem Konzept ist eine umfassende und gleichzeitig strukturierte Abklärung und Therapie von einzelnen Gesundheitsproblemen, aber insbesondere auch von mehreren miteinander agierenden Gesundheitsproblemen in einer Person möglich.

 

Diagnostik und Behandlung

Das bietet die Neurogeriatrie an:

  1. Zu Beginn jeder Behandlung steht eine strukturiere Einschätzung der bestehenden Gesundheitsprobleme und ihrer Gründe sowie der Therapierbarkeit und der Alltagsrelevanz dieser Gesundheitsprobleme. Dies wird durch ein multiprofessionelles Team von ärztlichem Personal, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie, Pflegepersonal, Physiotherapie und Sozialdienst zusammen mit dem Patienten durchgeführt. Die Liste von Gesundheits-problemen wird dann nach Wichtigkeit und Behandelbarkeit sortiert, d.h. es erfolgt eine Rangordnung der Gesundheitsprobleme, die mit jedem Patienten individuell abgestimmt wird. Darauf aufbauend werden gemeinsam die Ziele definiert, die im Verlauf des Aufenthaltes erreicht werden sollen und können.
  2. Im Verlauf der Therapie werden die Patienten in den Therapieplan aktiv eingebunden, mit Fokus auf Stärkung der Eigenmotivation und Eigeninitiative. Es gibt jeden Therapieplan nur einmal, und der Therapieplan soll möglichst lange in den Alltag „nachwirken“.
  3. Behandlung und Therapiefortschritt, nicht-medikamentös und medikamentös, werden mit den Patienten und innerhalb des multiprofessionellen Teams regelmäßig und strukturiert besprochen. Damit werden alle involvierten Personen auf dem aktuellsten Stand der Behandlung gehalten, und alle ziehen „an einem Strang“.
  4. Je nach Bedarf werden strukturierte Angehörigengespräche angeboten. Das kann notwendig werden, wenn innerhalb des sozialen und räumlichen Umfelds des Patienten Umstrukturierungen sinnvoll oder notwendig scheinen.
  5. Selbstverständlich stehen alle an einer neurologischen Universitätsklinik üblichen Untersuchungsmodalitäten zur Verfügung.